Bis zum 25. März 2013 lief die Öffentlichkeitsbeteiligung im Planverfahren für das in Stade geplante Steinkohlekraftwerk des Chemiekonzerns DOW. In diesem Zeitraum haben über 9.000 Menschen eine Einwendung gegen das klimaschädliche und rückwärtsgewandte Projekt bei der Stadt Stade eingereicht. Zusammen haben wir ein deutliches Zeichen für die Energiewende und den Klimaschutz gesetzt. Für die breite Unterstützung möchten wir uns bei allen Beteiligten herzlich bedanken!
» Pressemitteilung zur Übergabe der Einwendungen
» Fotos von der Übergabe an Bürgermeisterin Nieber
» Hintergrund
Das Chemieunternehmen DOW plant auf seinem Werksgelände im niedersächsischen Stade den Bau eines klimaschädlichen Steinkohlekraftwerks mit einer elekrtischen Leistung von 920 Megawatt. Bis zu zwei Drittel des erzeugten Stroms will die DOW für die Chemieproduktion nutzen, der Rest soll in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden.
Von wegen effizient!
Das geplante Kohlekraftwerk würde das Klima jedes Jahr mit 5,1 Millionen Tonnen CO2 belasten und ist für den Strom- und Dampfbedarf des Chemiewerks völlig überdimensioniert. Der über den eigenen Bedarf hinausgehende Kohlestrom soll in das öffentliche Netz eingespeist werden. Mit dem Einsatz effizienterer Produktionsverfahren könnte die DOW ihren Strombedarf am Standort noch deutlich reduzieren.
Der geplante Steinkohleblock wird als „hocheffizientes, modernes Industriekraftwerk“ mit flexiblem Brennstoffeinsatz dargestellt. Fakt ist: pro Stunde soll das „Kombi-Kraftwerk“ bis zu 290 Tonnen Steinkohle verfeuern, aber nur 6 Tonnen Wasserstoff! Der vermeintlich hohe Gesamtwirkungsgrad (von bis zu 60%) wird von vergleichbaren Kraftwerksbauten mit Kraft-Wärme-Kopplung sogar teilweise noch übertroffen. Moderne Gaskraftwerken erreichen seit Mitte der 1990er-Jahre Gesamtwirkungsgrade von über 80%.
Klima- und umweltschädliches Großkraftwerk
Die gigantischen Treibhausgasmengen des Kraftwerks (bis zu 5,1 Millionen Tonnen CO2 jährlich) würden den Klimawandel in unverantwortlicher Weise anheizen und unzählige Klimaschutzbemühungen auf Landes- und Bundesebene zunichtemachen. Das Kohlekraft werk würde jährlich hunderte von Tonnen an Feinstäuben, Schwermetallen (z.B. Quecksilber, Blei) und anderen Umweltgift en ausstoßen und damit die Menschen und die Umwelt in der Region beiderseits der Elbe gefährden. Die ohnehin schon stark belastete Haseldorfer Marsch und die Obstanbaugebiete wären besonders betroffen.
Vorzeige-Projekt zur industriellen Stromerzeugung in Stade möglich
Die Stadt Stade sollte die laufenden Verfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplans für das Steinkohlekraftwerk von DOW umgehend einstellen und stattdessen eine innovative und umweltfreundlichere Alternative auf den Weg zu bringen. Am Standort des DOW-Werks bieten sich optimale Voraussetzungen, ein deutschlandweit beispielhaftes Vorzeigeprojekt zur industriellen Energieversorgung zu entwickeln: durch eine Verbindung des neuen, erweiterbaren Gaskraftwerks mit intelligentem Lastmanagement und der Windenergiespeicherung über Wasserstoff (mit der Option zur Methanisierung). Damit könnten die Stadt Stade und der Chemiekonzern DOW einen bedeutsamen Beitrag für eine erfolgreiche Energiewende leisten und langfristig Arbeitsplätze am Standort sichern.
» Pressemitteilung vom 25. Februar lesen
» die Bebauungsplan-Unterlagen online einsehen
» allgemeine Informationen zum Kraftwerksvorhaben bei kohle-protest.de
| ÜBERDIMENSIONIERTE KOHLEKRAFTWERKSPLANUNG | ||||
| Energiebedarf DOW-Werk Stade | Geplantes Kohlekraftwerk | Gaskraftwerk (im Bau) | ||
| Strom | 600 MW | Elektrische Kapazität (brutto) | 920 MW | 165 MW |
| Dampfleistung | 300 MW | Maximale Dampfauskopplung | 415 t/h | 400 t/h (= 300 MW) |
| Effiziensgrad Dampf + Strom | bis zu 60% | 85% | ||
| Effizienzgrad nur Strom | ca. 45% | ca. 60% | ||
In einem Leserbrief kritisiert die Vorsitzende des BUND Stade die unausgewogene Berichterstattung des Stader Tageblatts zur Auftaktveranstaltung zum Klimaschutzkonzept
Bei der Podiumsveranstaltung im September bescheinigte der Energieexperte Prof. Leprich, dass Stade auf einem guten Weg ist, empfiehlt jedoch an Tempo zuzulegen
Ein weiteres klimaschädliches Kraftwerksprojekt wurde ad acta gelegt: Eon will auf den Neubau des geplanten Kohlekraftwerks in Stade verzichten.
Warum muss Stade die Chancen der Energiewende nutzen? Wieso passen Kohlekraftwerke nicht in das zukünftige Energiesystem?